9. Konferenz der Groupe des Cartothécaires de LIBER, 26.-30.9.1994 an der ETH-Zürich

Kartenbibliothekswesen im Wandel - Konferenz in Zürich und Glarus

Die Konferenz der europäischen Kartenbibliothekare wurde organisiert von den Kartensammlungen der ETH-Bibliothek und der Zentralbibliothek Zürich sowie von der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. "Digitale Karten in Bibliotheken", so lautete das Konferenzthema, das auf grosses Interesse stiess. Die Teilnehmer stammten aus der Schweiz (22 Personen), Grossbritannien (7), Deutschland (6), Belgien (4), Niederlande (4), Dänemark (3), Russland (3), Frankreich (2), Polen (2), Schweden (2), Slowenien (2), Estland (1), Finnland (1), Norwegen (1), Spanien (1), Ungarn (1) und den USA (1). Gegenüber den vorhergehenden Konferenzen nahmen erfreulicherweise deutlich mehr Teilnehmer aus osteuropäischen Staaten teil, wobei hier dem Entgegenkommen der ETH zu danken ist, die für diesen Zweck Mittel aus einem Fonds zur Verfügung stellte.
Mit der Vorbereitung und Durchführung der Konferenz wurde bibliothekarisches Neuland betreten. Der gesamte Bereich digitaler Bilder und raumbezogener Daten ist in einem raschen Wandel begriffen, wobei auf eine Vielfalt von Fragestellungen Antworten gesucht wurden.
Das Konferenzprogramm umfasste Themenkreise wie z.B. Produkte, Computersysteme, Anwendungen, Archivierung, Katalogisierung, Benutzung und Benutzerberatung. Zusätzlich zu den Vorträgen und den "National progress reports" wurde auch eine Demo-Session sowie eine Poster-Session aufgebaut. Das Konferenzprogramm enthielt zudem ausreichend Zeit für Diskussionen.
Wer sich näher über die Konferenzbeiträge informieren will, erhält einen Überblick in den Proceedings, die in einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift "The Liber Quarterly" abgedruckt werden.

Besondere Erwähnung verdienen sicher die drei Kartenausstellungen sowie die Exkursion nach Glarus.

- "Eduard Imhof (1895-1986) - Das kartographische Werk". Ausstellung im Foyer der ETH-Bibliothek vom 20.9.1994-28.2.1995
- "Von der Dufourkarte zur digitalen Karte". Ausstellung des Bundesamts für Landestopographie in der Haupthalle der ETH Zürich vom 20.9.1994 bis 9.10.1994
- "Die Ostschweiz im Bild der frühen Kartenmacher". Ausstellung im Schweizerischen Landesmuseum vom 29.9.1994 bis 26.2.1995.

Einen gelungenen Schlusspunkt setzte die Exkursion nach Glarus. Zur Visualisierung seines Vortrags "Gang durch die Kartengeschichte - Kostbarkeiten aus der Sammlung Walter Blumer" setzte Landesbibliothekar Dr. Hans Laupper modernste Medien ein: Die vorgängig auf einer CD-ROM gespeicherten Bilder wurden mittels eines Beamers an die Wand projiziert. Der anschliessende Rundgang durch den äusserst bemerkenswerten, kürzlich fertiggestellten Bibliotheksneubau endete im Soldenhofsaal, wo eine grosse Zahl wertvoller Werke aus der Blumer-Sammlung zur Einsicht auflagen. Festliche Stimmung kam dann auf, als eine Glarner Pianistin ein Mendelsohn Stück spielte. Dies als Zeichen des Dankes an den Kartenhistoriker Prof. Arthur Dürst, der eine Faksimileausgabe des Atlas des Grossen Kurfürsten (Mauritius-Atlas) von 1664 sowie zuvor einen Teil seiner umfangreichen Bibliothek der Landesbibliothek Glarus als Geschenk überreicht hat.
Beim anschliessenden Apéro wurden die Teilnehmer durch Regierungsrat Fritz Weber begrüsst. Nach dem Mittagessen führte Regierungsrat und Ständerat Kaspar Rhyner die Teilnehmer nach Elm und anschliessend mit dem Sessellift auf die Alp Empächli. Ein wunderschöner Abschluss einer interessanten Woche. Und hier kam mir der Gedankengang in Erinnerung, mit dem ETH-Präsident Professor Nüesch die Konferenzteilnehmer am Montag konfrontierte: Ob all der Beschäftigung mit digitalen Karten sollten wir nicht vergessen, die Natur selbst zu betrachten. Am 30. September 1994 wiederholte sich in Elm das alljährliche, archaisch anmutende Naturereignis: Durch das Martinsloch schien die Sonne direkt auf die Kirche von Elm.

Thomas Klöti


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