Die Konferenz der europäischen Kartenbibliothekare wurde
organisiert von den Kartensammlungen der ETH-Bibliothek und der
Zentralbibliothek Zürich sowie von der Stadt- und Universitätsbibliothek
Bern. "Digitale Karten in Bibliotheken", so lautete
das Konferenzthema, das auf grosses Interesse stiess. Die Teilnehmer
stammten aus der Schweiz (22 Personen), Grossbritannien (7), Deutschland
(6), Belgien (4), Niederlande (4), Dänemark (3), Russland
(3), Frankreich (2), Polen (2), Schweden (2), Slowenien (2), Estland
(1), Finnland (1), Norwegen (1), Spanien (1), Ungarn (1) und den
USA (1). Gegenüber den vorhergehenden Konferenzen nahmen
erfreulicherweise deutlich mehr Teilnehmer aus osteuropäischen
Staaten teil, wobei hier dem Entgegenkommen der ETH zu danken
ist, die für diesen Zweck Mittel aus einem Fonds zur Verfügung
stellte.
Mit der Vorbereitung und Durchführung der Konferenz wurde
bibliothekarisches Neuland betreten. Der gesamte Bereich digitaler
Bilder und raumbezogener Daten ist in einem raschen Wandel begriffen,
wobei auf eine Vielfalt von Fragestellungen Antworten gesucht
wurden.
Das Konferenzprogramm umfasste Themenkreise wie z.B. Produkte,
Computersysteme, Anwendungen, Archivierung, Katalogisierung, Benutzung
und Benutzerberatung. Zusätzlich zu den Vorträgen und
den "National progress reports" wurde auch eine Demo-Session
sowie eine Poster-Session aufgebaut. Das Konferenzprogramm enthielt
zudem ausreichend Zeit für Diskussionen.
Wer sich näher über die Konferenzbeiträge informieren
will, erhält einen Überblick in den Proceedings, die
in einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift "The
Liber Quarterly" abgedruckt werden.
Besondere Erwähnung verdienen sicher die drei Kartenausstellungen sowie die Exkursion nach Glarus.
- "Eduard Imhof (1895-1986) - Das kartographische Werk".
Ausstellung im Foyer der ETH-Bibliothek vom 20.9.1994-28.2.1995
- "Von der Dufourkarte zur digitalen Karte". Ausstellung
des Bundesamts für Landestopographie in der Haupthalle der
ETH Zürich vom 20.9.1994 bis 9.10.1994
- "Die Ostschweiz im Bild der frühen Kartenmacher".
Ausstellung im Schweizerischen Landesmuseum vom 29.9.1994 bis
26.2.1995.
Einen gelungenen Schlusspunkt setzte die Exkursion nach Glarus.
Zur Visualisierung seines Vortrags "Gang durch die Kartengeschichte
- Kostbarkeiten aus der Sammlung Walter Blumer" setzte Landesbibliothekar
Dr. Hans Laupper modernste Medien ein: Die vorgängig auf
einer CD-ROM gespeicherten Bilder wurden mittels eines Beamers
an die Wand projiziert. Der anschliessende Rundgang durch den
äusserst bemerkenswerten, kürzlich fertiggestellten
Bibliotheksneubau endete im Soldenhofsaal, wo eine grosse Zahl
wertvoller Werke aus der Blumer-Sammlung zur Einsicht auflagen.
Festliche Stimmung kam dann auf, als eine Glarner Pianistin ein
Mendelsohn Stück spielte. Dies als Zeichen des Dankes an
den Kartenhistoriker Prof. Arthur Dürst, der eine Faksimileausgabe
des Atlas des Grossen Kurfürsten (Mauritius-Atlas) von 1664
sowie zuvor einen Teil seiner umfangreichen Bibliothek der Landesbibliothek
Glarus als Geschenk überreicht hat.
Beim anschliessenden Apéro wurden die Teilnehmer durch
Regierungsrat Fritz Weber begrüsst. Nach dem Mittagessen
führte Regierungsrat und Ständerat Kaspar Rhyner die
Teilnehmer nach Elm und anschliessend mit dem Sessellift auf die
Alp Empächli. Ein wunderschöner Abschluss einer interessanten
Woche. Und hier kam mir der Gedankengang in Erinnerung, mit dem
ETH-Präsident Professor Nüesch die Konferenzteilnehmer
am Montag konfrontierte: Ob all der Beschäftigung mit digitalen
Karten sollten wir nicht vergessen, die Natur selbst zu betrachten.
Am 30. September 1994 wiederholte sich in Elm das alljährliche,
archaisch anmutende Naturereignis: Durch das Martinsloch schien
die Sonne direkt auf die Kirche von Elm.
Thomas Klöti
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